Kommerzialisierung

Die modernen Entwicklungen bringen es mit sich, dass jeder Fußballverein immer mehr auf finanzielle Einnahmen angewiesen ist – sei es durch TV-Gelder, Sponsoreneinnahmen oder ähnliches. Dessen sind wir uns bewusst und wir sind uns auch darüber im Klaren, dass daran kein Weg vorbeiführt. Wir kritisieren jedoch eine Entwicklung hin zu einem Fußballsport, in dem der Profit an erster Stelle steht – während die Fans im Stadion bloß als zu vernachlässigende Stimmungsmacher gelten.

Die fanunfreundlichen Anstoßzeiten, insbesondere in der Zweiten Bundesliga, sind nur ein Beispiel für diese Kommerzialisierung. Weil den Fernsehzuschauern zu Hause ein ganzes Wochenende voll Fußball geboten werden soll, muss der treue Fan im Stadion oft schauen, wie er zurechtkommt. Insbesondere Freitags- und Montagsspiele bedeuten für viele Fans meist einen oder mehrere Urlaubstage – ein Zustand, der in unseren Augen inakzeptabel ist. Deshalb haben wir uns unter anderem schon mehrmals mit offenen Briefen an die DFL gewandt.

Ein weiteres Beispiel sind die stets steigenden Eintrittspreise im Fußballstadion. Zahlte man in den 80er Jahren für einen Stehplatz bei einem Bundesliga-Spiel noch etwa 10 D-Mark, so können es heute manchmal über 20 Euro sein - von den Preisexplosionen bei Sitzplätzen ganz zu schweigen. Wir finden jedoch, dass insbesondere die Preise für Stehplatzkarten sozial verträglich und bezahlbar sein müssen. Der Fußball lebt von den Fans – und so soll es auch bleiben. Zu Beginn jeder Saison sitzen wir deshalb mit Fortuna Düsseldorf am Tisch und beraten über die Preisgestaltung für das kommende Jahr.

Auch den übermäßigen Einfluss von Sponsoren sehen wir mit kritischen Augen. Dies betrifft zum einen die “50+1?-Regelung, für deren Erhalt wir uns einsetzen. So haben wir beispielsweise im Jahr 2009 eine Satzungsänderung bei Fortuna Düsseldorf durchgesetzt, die den Vereinsnamen, die Farben und das Logo besser schützt. Doch auch eine Werbebande vor dem Stehplatzblock kann den Faninteressen sehr widersprechen, wenn an dieser Stelle keine Zaunfahne mehr aufgehängt werden darf. Und was ist mit ohrenbetäubender Sponsorenwerbung im Stadion, die die letzten 15 Minuten des Spiels ankündigt? Wir sehen in diesen Beispielen zu viel Werbung, zu viel Sponsor – und zu wenig Fußball und Fortuna.

Wir fordern deshalb immer wieder, dass unsere Fortuna sich auf ihre Werte und ihre Traditionen besinnt und damit die Fans von morgen überzeugt. Rosafarbene Kappen im Fanshop, Ballermannmusik in der Arena, Wechselrufe mit dem Stadionsprecher (“Danke!” – “Bitte!”) und andere Formen der Eventisierung gehören nicht zu Fortuna, und das soll auch so bleiben. Nur wer die Menschen mit seiner eigenen, individuellen Identität überzeugt, wird langfristig auf eine starke Fanbasis zählen können.

 

Wohnzimmer statt Stadion? Werbung von 2008
Saison-Eröffnung der Fortuna 2011
Flugblatt gegen zunehmende Werbung (2011)