Kriminalisierung

Nach unserem Relegationsspiel im Mai 2012 gegen die Hertha aus Berlin erlebte jeder Fortuna-Fan, was es heißt, wenn eigentlich harmlose Ereignisse medial aufgebauscht werden, wenn man als Fußballfan plötzlich als Krimineller gilt, wenn eine - in den Augen der meisten Stadiongänger unnötige - Sicherheitsdebatte geführt wird.

Kurz vor Abpfiff beim Rückspiel um den Aufstieg in die Bundesliga rannten Hunderte Fortuna-Fans zu früh auf das Spielfeld und zündeten teilweise Pyrotechnik. Sie hatten jedoch nicht Randale im Sinn, sondern pure Freude - und hatten leider einen Pfiff des Schiedsrichters falsch interpretiert. Was folgte, waren völlig übertriebene Darstellungen ("Die Schande von Düsseldorf"), eine hohe DFB-Strafe für die Fortuna und eine hysterisch geführte öffentliche Debatte um die Sicherheit in Deutschlands Fußballstadien, die in das DFL-Konzept "Sicheres Stadionerlebnis" mit den damit verbundenen Protesten "12:12" mündete.

Im Zuge dieser Debatte wurden Fans in den Medien verstärkt wie Verbrecher behandelt und bezeichnet. Der traurige Höhepunkt war die Formulierung „Taliban der Fußballfans“ für Ultras. Innenminister und Polizeigewerkschafter forderten immer härtere Maßnahmen gegen Fans und beschrieben dafür übertriebene Gewaltszenarien und schürten die Angst in der Bevölkerung vor Fußballfans. Die persönliche Freiheit des einzelnen Fans und die Verhältnismäßigkeit der Mittel traten in dieser Debatte immer weiter in den Hintergrund.

Wir wehren uns nicht erst seit 2012 gegen solche Tendenzen. Schon lange werden Fußballfans seitens der Polizei, von Ordnungsdiensten und den Medien häufig wie Schwerverbrecher behandelt. Gerade bei Auswärtsspielen wird das deutlich, wenn einem plötzlich nicht einmal mehr das Recht zugestanden wird, sich am Bahnhof eine Flasche Wasser zu kaufen oder die Toilette zu nutzen.

Auch 2009 wurden willkürlich Fortuna-Fans vom Besuch eines Spiels abgehalten, als sie plötzlich an der Gaststätte "Kastanie" eingekesselt und mehrere Stunden lang festgehalten wurden. Der SCD positionierte sich eindeutig zu den Geschehnissen und organisierte zum nächsten Heimspiel eine Demonstration mit etwa 500 Teilnehmern.

Als im April 2012 zwei Fortuna-Fans wegen des Verdachts auf Freisetzung von Giftstoffen als Folge von Pyrotechnik mit Fahndungsbildern gesucht wurden, war für uns eine Grenze erreicht. Auch hier haben wir uns deutlich gegen diese überzogenen Maßnahmen geäußert und zur Aufklärung den Kontakt mit den Medien gesucht.

Für Kommunikation und direkte Gespräche mit Polizei, Ordnungsdiensten, Medienvertretern und anderen Beteiligten sind wir immer offen. Wir glauben, dass Kommunikation viele Konflikte entschärfen kann - daher haben wir in der Vergangenheit beispielsweise schon den Düsseldorfer Polizei-Einsatzleiter zu einem Stammtisch eingeladen und 2012 an mehreren Veranstaltungen zur Sicherheitsdebatte teilgenommen.

Wir verschließen sicher nicht die Augen vor Problemen in den Kurven - Sachlichkeit sollte jedoch immer an oberster Stelle stehen. Wenn die Mehrheit der Stadiongänger kein Sicherheitsproblem benennen kann, wird eine Debatte geführt, die an der Realität vorbeigeht. Überzogene Maßnahmen (z.B. V-Leute in Fanszenen, Fahndungen, willkürliche Stadionverbote, Ganzkörperkontrollen) und hetzerische Berichterstattung lösen Probleme nicht, sondern verstärken sie eher. Daher wehren wir uns gegen Kriminalisierung, Willkür, Repressionen und überzogene Maßnahmen gegen sowie unsachliche Medienberichte über Fußballfans.

 

Polizeikessel an der Kastanie (2009)
Talkrunde mit dem Einsatzleiter (2011)
Teilnahme am Bahn-Fangipfel (2012)
Unser Flyer zu 12:12 (2012)